Regelmäßig erscheinen in verschiedenen Medien Beiträge, die Tesla in ein positives Erscheinungsbild rücken wollen. Andere Medien greifen diese Beiträge auf und verbreiten sie, ohne den Inhalt kritisch zu hinterfragen. Wir reagieren mit „Gegenargumenten“ darauf.
Meldung: Tesla recycelt 100 Prozent des Abwassers, dass in der Produktion anfällt
Im Rahmen eines neuen Wasservertrags mit dem regionalen Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE), der unter anderem höhere Grenzwerte vorsieht, hat Tesla sich zur Wiederaufbereitung des eigenen Abwassers der Fabrik in Grünheide verpflichtet, wie es heißt. Der Vertrag stelle nun sicher, dass der Elektroautopionier sein bereits erfolgreich begonnenes Produktionsabwasser-Recycling weiterhin fortsetzen könne. Damit können nach Angaben von Tesla weiterhin 100 Prozent des Abwassers, das in der Produktion anfällt, wiederverwendet werden. Das ermögliche es nun, knapp 400.000 Kubikmeter des vertraglich vereinbarten Wasserkontingents an den Wasserverband zurückzugeben.
(16.06.2025 Quelle: dpa)
In einem Gastbeitrag für die Zeitschrift „wwt wasserwirtschaft wassertechnik“ (Ausgabe 1-2/2025) nennt Theresa Eggler von Tesla diese Zahlen:
Der Jahresverbrauch der gesamten Fabrik lag 2024 bei ca. 450.000 m³.
Ca. 10–15 % des bezogenen Frischwassers werden als Prozesswasser verwendet.
Aufgrund von Verdunstungsverlusten werden bis zu 73 % der anfallenden Prozessabwässer in der Abwasserbehandlungsanlage aufbereitet.
Ca. 10–30 % des bezogenen Frischwassers werden als Kühlwasser verwendet. Im Sommer wird ein Großteil dieses Wassers (ca. 60 %) verdunstet.
Sanitär- und Reinigungswasser: Der Wasserbedarf in diesem Bereich umfasst ca. 55–75 %.
Es wird seit Monaten das 100-prozentige Recycling der Prozessabwässer als Grund für den geringen Wasserbedarf der Fabrik lobgepriesen. Die angeführten Zahlen verdeutlichen, dass nur ein geringer Teil des Wasserbedarfs in der Produktion Verwendung findet. Nicht einmal dreiviertel davon können überhaupt recycelt werden, weil es im Produktionsprozess zu Verdunstungsverlusten kommt. Noch mehr Trinkwasser verdunstet im Kühlwassersystem. Am höchsten sind die Verdunstungswerte bei den höchsten Außentemperaturen. Genau in dieser Zeit ist der Wasserbedarf im WSE-Gebiet generell sehr hoch.
Tesla hat sich im angepassten Vertrag weiterhin einen Maximalbedarf von 233 m³/h zusichern lassen. Wenn der WSE in Spitzenlastzeiten im Hochsommer bei den restlichen Kunden Reglementierungen veranlassen muss, will Tesla zur Aufrechterhaltung der Produktion von Elektro-SUVs das Trinkwasser in seinen Kühlanlagen verdunsten lassen!
Das 100-prozentige Prozesswasserrecycling ist eine PR-Kampagne, welche aber nur im begrenzten Maß die angespannte Versorgungslage entschärft. Im Genehmigungsbescheid für die 2. Ausbaustufe wird die Menge beziffert: „Denn zusätzlich zur Frischwasserversorgung werden mehr als 0,2 Mio. m³ pro Jahr durch das betriebliche Prozesswasserrecycling zur Verfügung gestellt.“ Durch den abgeänderten Vertrag hat Tesla einen Anspruch auf 1,423 Mio. m³ im Jahr und kann durch das viel gepriesene Recycling reichlich 0,2 Mio. m³ pro Jahr generieren. Das entspricht etwa 15 Prozent.
Die Satzungen des WSE erlauben eine Reglementierung der Wassermengen bei drohender Überlastung des Versorgungssystems im Hochsommer. Das gilt bislang auch für Tesla als Kunde im Geltungsbereich des Industriegebietes Freienbrink. Durch den neuen Versorgungsvertrag will Tesla eine Sonderbehandlung erreichen.
Waldumwandlung und Neuausweisung von Industriegebieten sind im Wasserschutzgebiet verboten
(Wasserschutzgebietsverordnung Erkner WSGVO § 3 Nr. 17 und 56)
Warum wird es trotzdem für Tesla genehmigt?
- Es wird die Möglichkeit einer Befreiung von diesen Verbotstatbeständen eingeräumt
- Voraussetzung sind: der Schutzzweck wird nicht gefährdet und überwiegende Gründe des Allgemeinwohls
- Die Gemeinde Grünheide hat diese Befreiung beantragt
- Ein von Tesla bezahltes Gutachten bestätigt, dass eine Gefährdung ausgeschlossen werden kann und behauptet, dass nach der Waldumwandlung mehr Grundwasser gebildet wird (Hydrogeologisches Gutachten zum B-Plan Nr. 60; Fugro Germany Land GmbH)
- Als überwiegender Grund des Allgemeinwohls wird die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene angeführt
- Der dafür erforderliche Güterbahnhof könne nur an dieser Stelle gebaut werden
- Eine Mehrheit der Gemeindevertreter*innen folgt dieser Argumentation und stimmt für den B-Plan Nr. 60
- Als zuständige Genehmigungsbehörde stimmt auch die untere Wasserbehörde beim Landkreis Oder-Spree dem Antrag zu
Alles in bester Ordnung?
In einer Stellungnahme zum Antrag auf Befreiung von Verboten nach § 3 Nr. 17 und Nr. 56 WSGVO zum B-Plan Nr. 60 argumentiert der betroffene Wasserverband Strausberg-Erkner:
Der WSE wird durch die begehrte Befreiung von Verboten der WSG-VO in seinen Rechten veletzt.
Die Datengrundlage des hydrogeologischen Gutachtens von Fugro bezieht sich auf das Jahr 2003 (Daten sind über 20 Jahre alt)
Die Neuausweisung eines Industriegebietes gefährdet durchaus den Schutzzweck des Wasserschutzgebietes. Denn gefährden bedeutet nicht, dass etwas geschehen muss, es reicht die Möglichkeit.
Die Lagerung von z.B. Batteriezellen kann das Wasserschutzgebiet gefährden, ebenso der Transport von wassergefährdenden Stoffen. Beides wird in keiner Weise ausgeschlossen.
Inwieweit die erhöhten Schutzstandards und die Selbstverpflichtung von Tesla wirklich greifen, lassen nur die Grundwasser gefährdenden Vorfälle seit der Inbetriebnahme der bereits vorhandenen Anlage erahnen. (Bericht „stern investigativ“ vom September 2023)
Schließlich dient die Umstellung von einer „Just-in-time-Produktion“ zu einer
bedarfsgerechten Versorgung mit Lagerkapazitäten einzig dem Unternehmenszweck, die daraus resultierenden, zusätzlichen Risiken und unüberwachten Gefährdungen des Schutzgutes Wasser stehen dem Wohl der Allgemeinheit entgegen.
Zusammenfassend kann einer ersuchten Befreiung vom Verbot nicht zugestimmt werden, da der Schutzzweck des Grundwassers gefährdet sowie überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit (hier u.a. die Trinkwasserversorgung) entgegenstehen.
MELDUNG: Tesla verbraucht weniger Wasser als vereinbart
- Für das Jahr 2023 meldet Tesla an das Landesamt für Umwelt (LfU) einen Wasserverbrauch von 451.654 Kubikmetern
- Vertraglich zugesichert sind mit dem WSE 1,8 Millionen Kubikmeter pro Jahr
- Da die nicht genutzte Menge (1,35 Millionen Kubikmeter) vertraglich an Tesla gebunden ist, stand sie nicht für andere Verbraucher zur Verfügung
- Tesla hat damit nur 200.172 Fahrzeuge produziert – beantragt sind in der 2. Ausbaustufe 1 Million Fahrzeuge pro Jahr
- Tesla hatte Ende 2023 11.000 Beschäftigte – in der 2. Ausbaustufe sollen es 22.500 Beschäftigte werden
Der einzige positive Effekt daran ist, dass der Grundwasserleiter geschont wurde. Wie sparsam Tesla tatsächlich ist, wird sich erst zeigen, wenn die Produktion hochgefahren wird und die Zahl der Beschäftigten wächst.
MELDUNG: Wasserentnahme in der Region um Tesla-Fabrik gesunken
2023: 9,7 Mill m³ 2022: 10,2 Mill m³ 2021: 10,0 Mill m³ 2020: 10,8 Mill m³
Der WSE dokumentierte bereits im Jahr 2020, dass es einen Zusammenhang zwischen Wetter und Wasserverbrauch gibt. Im regenreichen Jahr 2017 wurden im Juni 0,9 Millionen Kubikmeter verbraucht. Zwei Jahre später bei trockener und heißer Witterung waren es im selben Monat 1,4 Millionen Kubikmeter. Das Wasser des WSE wird in den Sommermonaten bei Trockenheit zur Bewässerung verwendet. Campingplätze und andere Erholungseinrichtungen werden bei schönem Wetter intensiver genutzt und verbrauchen mehr Wasser als bei nasskaltem Wetter. Hierin liegt der Hauptgrund für den Rückgang der Wasserentnahme rund um die Tesla-Fabrik. Im Jahr 2022 lag der Jahresniederschlag bei 405 mm und im Jahr 2023 bei 737 mm (Berlin-Schönefeld). Betrachtet man die Sommermonate, lag die Niederschlagsmenge im Jahr 2022 bei 156 mm und im Jahr 2023 bei 206 mm, eine Steigerung um fast ein Drittel. Im Jahr 2023 hat es deutlich mehr geregnet und deshalb musste weniger bewässert werden.
Gestiegene Energiepreise und mehr Verantwortungsbewusstsein bei vielen Verbrauchern haben ebenfalls einen Beitrag zur Wassereinsparung geleistet.
MELDUNG: Andere Industrien in Brandenburg verbrauchen im Vergleich mit Tesla ein Vielfaches des Wassers
Kraftwerk Jänschwalde: 44,9 Millionen Kubikmeter
Abfallverwerter EEW in Premnitz: 23 Millionen Kubikmeter
PCK Schwedt: 13,6 Millionen Kubikmeter
Leipa Papierwerke Schwedt: 10,6 Millionen Kubikmeter
Stahlhersteller Arcelor Mittal Eisenhüttenstadt: 6,7 Millionen Kubikmeter
Tesla Grünheide: 0,45 Millionen Kubikmeter
Die hier aufgeführten Industriebetriebe benötigen das Wasser überwiegend zur Kühlung. Sie verwenden dazu Oberflächenwasser und einen Großteil davon gelangt nach der Verwendung zur Kühlung wieder in die Flüsse, aus denen es entnommen wurde.
Eine Ausnahme bildet Jänschwalde. Hier wird gereinigtes Grubenwasser verwendet, um damit die umliegenden Tagebaue trocken zu legen. Die anschließende Einleitung stabilisiert unter anderem den Wasserpegel der Spree.
Sowohl für die Versorgung seiner Beschäftigten als auch für die Produktion verwendet Tesla Grundwasser, das vorab durch den WSE zu Trinkwasserqualität aufbereitet wird. Dieser Wasserverbrauch fehlt im Verbandsgebiet den restlichen Nutzern. Anfangs hatte Tesla einen Wasserbedarf von 3,6 Millionen Kubikmetern im Jahr angemeldet. Nach heftigen Protesten wurde die Menge hauptsächlich dadurch reduziert, dass man von einer Wasserkühlung teilweise auf Luftkühlung umgestellt hat. Dazu benötigt man entsprechende Außentemperaturen. In den ersten beiden Jahren nach Produktionsbeginn waren die Sommer nicht so heiß wie zwischen 2018 und 2020. Sollte es zu längeren Hitzeperioden kommen, würde in der Folge auch der Kühlwasserbedarf bei Tesla sprunghaft ansteigen. Trotz Recycling kommt es in der Produktion zu Wasserverlusten und wenn sich die Zahl der Beschäftigten erhöht, steigt dadurch auch der Trinkwasserbedarf. Die 450.000 Kubikmeter Wasserverbrauch aus dem Jahr 2023 sind nur durch geringe Auslastung der Produktionskapazität und günstige Witterungsbedingungen erreicht worden.
MELDUNG: Tesla verbraucht nur halb so viel Wasser wie größter Spargelhof Brandenburgs
Jahresverbrauch: Tesla: 0,45 Millionen m³ – Spargelhof Klaistow: 1,09 Millionen m³ Durch diese Meldung wird der Eindruck erweckt, dass der Wasserverbrauch bei Tesla im Vergleich zu anderen Unternehmen eher geringfügig wäre. Es gibt entscheidende Unterschiede!
Der Spargelhof in Klaistow gewinnt sein Wasser zur Bewässerung der Felder durch eigene Brunnenanlagen. Der Verbrauch geht nicht zu Lasten von Menschen, die im Umfeld wohnen. Die Pflanzen nehmen nur einen Teil des Wassers aus der Bewässerung auf, der Rest versickert vor Ort und gelangt zu Teilen sogar wieder ins Grundwasser.
Trinkwasser, das bei Tesla in der Produktion eingesetzt wurde, muss aufwendig aufbereitet werden und kann anschließend trotzdem nur in Flüsse eingeleitet werden, um weiter verdünnt zu werden.
Trotz erfolgreichem Recycling entsorgte Tesla im Jahr 2023 insgesamt 315.333 Kubikmeter Abwasser über den WSE. Dieses Wasser wird zum Klärwerk Münchehofe geleitet. Von dort gelangt es über Erpe, Spree, Havel und Elbe am Ende in die Nordsee.
Es ist keine Lösung, wenn Tesla, wie der Spargelhof Klaistow, sein Wasser durch eigene Brunnen fördern würde. Die Fabrik liegt im Zustrom auf die Wasserfassung Erkner-Hohenbinde des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE). Die Entnahme von Tesla würde dort fehlen. Umweltverbände kritisieren die für den Wasserverband genehmigte Fördermenge in Hohenbinde als zu hoch. Es wird mehr Wasser entnommen als durch Grundwasserneubildung entsteht. Von daher ist eine zusätzliche Wasserentnahme ausgeschlossen.
Wenn Trinkwasser knapp ist, sollte man auch die grundsätzliche Frage stellen, ob damit lieber Pflanzen für die menschliche Ernährung bewässert werden oder Elektrofahrzeuge für den motorisierten Individualverkehr produziert werden.
Zahlen zu Trinkwasser und Abwasser der Tesla Autofabrik in Grünheide
Im Werk Grünheide hat Tesla im Jahr 2023 200.172 Elektroautos des Model Y produziert. Dafür hat der Autobauer 451.654 Kubikmeter Frischwasser verbraucht und 315.333 Kubikmeter Schmutzwasser erzeugt. Diese Zahlen nennt Tesla im Jahresbericht zur Abwassersituation für das Jahr 2023.
Was bedeuten diese Zahlen?
451.654 m³ Frischwasser für 200.172 Elektroautos bedeutet 2,25 m³ je Fahrzeug
Tesla möchte in der 2. Ausbaustufe 1.000.000 Elektrofahrzeuge im Jahr bauen.
Das ergibt 2,25 Millionen m³ Frischwasser im Jahr! Tesla hat einen Vertrag für 1,8 Millionen m³ im Jahr.
Diese vertraglich vereinbarten 1,8 Millionen m³ würden nur für 800.000 Fahrzeuge im Jahr reichen.
Beim Abwasservolumen sieht es noch schlechter aus. Tesla wurden jährlich 925.000 m³ Abwasser genehmigt. Auf Basis der Werte von 2023 könnten nicht einmal 600.000 Fahrzeuge im Jahr produziert werden!
Tesla will nicht mehr Wasser verbrauchen, weil es bis zu 100 % recyclen wird!
Anfang März 2024 wurde durch den Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) bekannt, dass es im Abwasserstrom von Tesla verbreitet zu erhöhten Werten von refraktärem Phosphor und Gesamtstickstoff kommt. Dazu erklärt Tesla, dass die Schaffung eines geschlossenen Wasserkreislaufes zu den erhöhten Werten beim Schmutzwasser geführt hat.
Wir hatten im Jahr 2023 einen Verbrauch von 2,25 m³ Frischwasser je Fahrzeug, einen geschlossenen Wasserkreislauf und erhöhte Werte von refraktärem Phosphor und Gesamtstickstoff im Abwasser.
Das Problem mit den erhöhten Schadstoffwerten im Abwasser könnte man dadurch lösen, dass man mehr Frischwasser beimengt, ist ein Vorschlag von Tesla. Oder die Grenzwerte für die Menge an Schadstoffen, die mit dem Abwasser aus der Fabrik zur Kläranlage Münchehofe fließen, erhöht – so lautet ein weiterer Vorschlag von Tesla.
Was denn nun? Tesla möchte mehr Wasser recyclen, um den Wasserverbrauch zu reduzieren und kann schon jetzt die Grenzwerte für Schadstoffe nicht einhalten!
Es erscheint unmöglich, den Verbrauch pro Fahrzeug weiter zu reduzieren und gleichzeitig den Schadstoffgehalt im Abwasserstrom zu mindern.
Die Vorschläge von Tesla erweisen sich somit als Scheinlösungen.
